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Erhebliche Erbschaftsteuerersparnis bei Übertragung von Wohnungsunternehmen


Die Übertragung von großen Vermögenswerten auf die nachfolgende Generation unterliegt in Deutschland einer erheblichen Erbschaftsteuerbelastung. Bereits ab einem steuerpflichtigen Erwerb der Kinder von jeweils mehr als 600 TEUR findet ein Erbschaftsteuersatz von 19 % Anwendung.

Ab einem steuerpflichtigen Erwerb von über 26 Mio. EUR gilt ein Spitzensteuersatz von 30 %. Besteht das Vermögen in Form von begünstigtem Produktivvermögen, kann jedoch eine Steuerbefreiung (Verschonungsabschlag) in Höhe von 85 % (Regelverschonung) bzw. 100 % (Optionsverschonung) in Anspruch genommen werden. Ein großes Problem besteht allerdings für diejenigen Familien, die ihr Vermögen nicht in Produktivvermögen, sondern in sog. Verwaltungsvermögen, wie z.B. Bankguthaben, Wertpapiere oder fremdvermietete Immobilien investiert haben. In einem solchen Fall führt an der hohen Erbschaftsteuerbelastung grundsätzlich kein Weg vorbei.

Den einzigen Ausweg stellen sog. Wohnungsunternehmen dar, deren Hauptzweck in der Vermietung von Wohnungen besteht und dessen Erfüllung einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb erfordert. Wird nämlich ein solches Wohnungsunternehmen übertragen, können die Steuerbefreiungen für Produktivunternehmen grundsätzlich ebenso in Anspruch genommen werden. Irritationen löste in diesem Zusammenhang ein Urteil des Bundesfinanzhofs vom 24.10.2017 (Az. II R 44/15) aus, in dem das Gericht die bisher von der Finanzverwaltung angewandte typisierende Betrachtungsweise, nach der im Falle einer Vermietung von mehr als 300 Wohnungen ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb angenommen werden kann, in Frage gestellt hat. Erfreulicherweise hat sich die Verwaltung jedoch in der Zwischenzeit mit bundesweitem Erlass vom 23.4.2018 dazu entschieden,  die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs über den entschiedenen Einzelfall hinaus nicht anzuwenden. Stattdessen wird an der typisierenden Betrachtungsweise festgehalten, so dass sich Steuerpflichtige auch zukünftig hierauf berufen können.

 

 

tl_files/rechtsanwaelte-portrait/Rotthege-und-Partner-Isselmann_1.jpgMarcel Isselmann

Wirtschaftsprüfer und Steuerberater
Fachberater für internationales Steuerrecht

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